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Friedrich Ani : "Ermordung des Glücks"
Zeitraum: 29.05.2018 18:30 - 29.05.2018 21:00 Uhr

29 mai 2018 à 18:30                                                                        

au Cité Auditorium (Cité; 2e étage)

 Friedrich Ani

Friedrich Ani wurde von einem Kritiker als schreibender Franz Schubert bezeichnet. Friedrich Ani wurde am 7. Januar 1959 in Kochel am See als Sohn eines syrischen Vaters und einer schlesischen Mutter geboren. Schon immer zog es ihn weg vom Land, wo jeder jeden kennt, in die Anonymität einer Stadt wie München, wo er als Fremder unter Fremden leben kann. Bereits mit elf Jahren verfasste er Gedichte, schrieb für Lokalzeitungen. Nach dem Abitur und dem Zivildienst, den er in einem Heim für schwer erziehbare Kinder leistete, fing er an, Hörspiele und Theaterstücke zu schreiben, arbeitete als Polizeireporter, verfasste mehrere Lyrikbände wie seinen ersten mit dem typischen Ani-Titel "Wer die Dunkelheit entfacht" (1981). 1996 erschien sein erster Roman "Das geliebte, süße Leben". Bekannt wurde Friedrich Ani vor allem durch seine vierzehn Krimis mit dem Ermittler Tabor Süden. 1992 bekam Ani ein Stipendium der Drehbuchwerkstatt an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen. Er schrieb für "Stahlnetz", für die Serie "Faust" mit Heiner Lauterbach in der Titelrolle und für das Aushängeschild deutscher Fernsehkrimis, für den "Tatort". Vom Literaturförderpreisund dem Tukan-Preis der Stadt München bis zum Grimme-Preis für sein Drehbuch "Kommissar Süden und der Luftgitarrist", und dem Bayerischen Fernsehpreis wurde er allein siebenmal mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichnet und Friedrich Ani steht wie sein Vorbild Georges Simenon auf der Liste der 100 weltbesten Krimi-Autoren.

http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiotexte/friedrich-ani-die-ermordung-des-gluecks-lesung-august-zirner-100.html

In seinem neuen Roman "Ermordung des Glücks" befasst sich Friedrich Ani mit einer weiteren wichtigen Frage: Was macht diese Tat mit den Überlebenden? Mit einer leisen Szene lässt Friedrich Ani seinen neuen Roman "Ermordung des Glücks" beginnen. Ein älterer Mann betritt ein Café. Eigentlich ­möchte ihn die Wirtin gar nicht hereinlassen, denn sie spürt, dass er schlechte Nachrichten bringt. Und leider stimmt ihr Gefühl. Nun weiß sie offiziell, dass ihr elfjähriger Sohn Lennard, der vor fünf Wochen spurlos verschwand, tot ist. Ermordet.

Für Tanja Grabbe, die ­Mutter des Jungen, bricht eine Welt ­zusammen. Der Junge war der Mittelpunkt ihres Lebens, und sein Tod ist für sie tatsächlich die ­Ermordung des Lebensglücks.

Völlig aus der Bahn geworfen

Ani beschreibt eindringlich, wie der Frau ihr Leben entgleitet. Sie zieht sich völlig in die Erinnerung an ihren Sohn zurück. Niemand dringt mehr zu ihr durch, weder ihr Mann noch ihr ­Bruder, der ihr sonst sehr nahesteht. ­Einer der Polizisten, die sich bemühen, den Mord aufzuklären, fasst ihren Zustand zusammen: "Sie kippt aus der Welt. Wir haben sie mit dem Tod ihres Sohns allein gelassen, und ihr bleibt nichts, als darin zu versinken."

Aber nicht nur Tanja Grabbe wird durch den Tod des Jungen aus der Bahn geworfen, sondern auch der Mann, der ihr die Todesnachricht überbrachte. Dieser Mann ist Jacob Franck, vor seiner Pensionierung viele Jahre Leiter der Münchner Mordkommission, der es sich nun zur Aufgabe gemacht hat, Hinterbliebenen die Nachricht vom Tod eines Angehörigen zu überbringen. Franck war bereits in Anis Roman "Der namenlose Tag" von einem ungeklärten Todesfall so ergriffen, dass er seine ­gesamte Intuition und sein kriminalistisches Gespür aktivierte, bis er schließlich den Fall gelöst hatte.

Vielschichtiger Roman

Auch in "Ermordung des Glücks" gibt sich der introvertierte Einzelgänger Franck redliche Mühe, seinen früheren Kollegen bei der Aufklärung des Falls zu helfen. Vor allem aber will er Tanja Grabbe in ihrer unendlichen Trauer etwas Stabilität geben. Immer tiefer verbeißt er sich in den Fall und fürchtet bisweilen um sein eigenes seelisches Gleichgewicht. Ein Roman, dessen Handlung von einem Mord ausgelöst wird, ist immer auch ein Kriminalroman, und die Suche nach dem Täter nimmt so auch in "Ermordung des Glücks" einigen Raum ein. Franck ist zwar nicht mehr offiziell im Dienst, aber er weiß, wie man mit Menschen spricht, die etwas gesehen haben könnten.

Dabei fördert er einige überraschende Erkenntnisse zutage. Vor allem aber trifft er Menschen, die ebenso verloren sind wie Tanja Grabbe und für die Glück auch nur noch eine ferne Erinnerung ist. Mit "Ermordung des Glücks" ist Friedrich Ani ein vielschichtiger Roman gelungen, der von feiner Charakterzeichnung und subtilem Spannungsaufbau lebt. Ani ist gerade mit dem Sonderpreis des Crime Cologne Award für seine Verdienste um den deutschsprachigen Kriminalroman ausgezeichnet worden. "Ermordung des Glücks" ist ein beredtes Beispiel für die besondere Qualität seiner Bücher.

von Axel Knönagel

http://www.op-marburg.de/Lokales/Kultur/Uebersicht/OP-Buchtipp-Friedrich-Ani-Ermordung-des-Gluecks

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Die Ermordung des Glücks.